Mein Weg zu Kesho

“Education is the most powerful weapon which you can use to change the world.”

– Nelson Mandela

 

Seit ich denken kann, wollte ich immer schon Lehrerin werden. Das lag zunächst einmal an meiner tollen Klassenlehrerin in den ersten beiden Schuljahren. Zugegeben auch wegen folgender nicht so großartiger Lehrkräfte hat sich während meiner Schulzeit der Wunsch verstärkt, Kindern ein Vorbild zu sein, ihre Stärken zu fördern und in ihnen die Lust zum Lernen zu wecken. Als Kind wusste ich natürlich noch nicht, was für ein Glück ich habe, überhaupt zur Schule gehen, und später einmal einen Job ausüben zu können, den ich liebe. In der Zeit zwischen meinem Studium und Referendariat habe ich mir einen meiner Träume erfüllt, Kinder in Afrika zu unterrichten. Meine Reise führte mich nach Ghana, in das Land, in dem meine Mutter geboren und die ersten 8 Jahre ihres Lebens verbracht hat. In Ghana wird viel für die Bildung der Kinder getan, ihre Grundausbildung beträgt im Normalfall 11 Jahre. Die Kinder kommen bereits im Kleinkindalter in die Vorschule, hieran anknüpfend besuchen sie sechs Jahre die Grundschule und zum Schluss drei Jahre die Mittelschule. Obwohl in Ghana offiziell Schulpflicht herrscht, kommen nicht alle Kinder regelmäßig zur Schule. Dies liegt daran, dass an vielen Schulen ein Schulgeld bezahlt werden muss, was sich einige Familien nicht für all ihre Kinder leisten können. So kommt es vor, dass Kinder ein Jahr Schule aussetzen müssen. Und auch wenn an einigen Schulen nicht per se für den Schulbesuch bezahlt werden muss, sind die Eltern dazu verpflichtet, ihren Kindern die Schuluniform zu finanzieren. Dazu kommen die Schulbücher und Materialien zum Lernen. Zusätzlich zum finanziellen Aspekt müssen Kinder ihren Eltern oftmals Zuhause auf dem Feld helfen und schaffen es so nicht immer in die Schule.

Unser Vereinsmitglied Julia in einem Innenhof in Ghana.
Schulkinder in einer Klasse in Ghana.

Seit dem ersten Tag meines Aufenthaltes in Ghana wurde ich von Land und Leuten herzlich empfangen. Ich weiß noch genau, wie dankbar die Lehrerinnen meiner Schule täglich waren, dass ich da war und sie unterstützt habe. Meine SchülerInnen kamen jeden Tag aufs Neue freudig auf mich zugestürmt, als hätten sie mich nicht gestern erst gesehen. Eine der Lehrerinnen hatte selbst mehrere Kinder, u.a. die dreijährige Princes, die sie jeden Tag mit in die Klasse brachte. Sie erzählte mir, wie schwierig es für viele Familien ist, all ihre Kinder durchzubringen und wie glücklich sie sich schätzen kann, ihren Job zu haben, auch wenn sie dafür nicht viel Geld bekommt. Trotz dessen habe ich sie nicht einmal jammern gehört und sie hat täglich ihr Herzblut dafür gegeben, den Kindern auf spielerische Art und Weise so viel wie möglich beizubringen, damit sie später einmal mit einer gut bezahlten Arbeit ihre Familie ernähren können. Während meines gesamten Aufenthaltes war sie nicht einen Tag krank. Zudem hat sie mir jeden Tag aufs Neue angeboten, ihr Essen zu teilen, auch wenn sie selbst nicht viel hatte. An heftigen Regentagen war unser Klassenraum sehr leer, weil es viele Kinder aufgrund von überschwemmten Wegen nicht zur Schule schaffen. Einige Kinder konnten sich das Geld für die Schulbücher nicht leisten und so nicht immer in vollem Umfang mitlernen. Doch trotz der Umstände vor Ort und der für Ghana typischen überfüllten Klassen und nicht voll ausgestatteten sanitären Einrichtungen waren die Kinder stets fröhlich und freuten sich auf die Schule. Sie hatten Lust zu lernen, lachten und tanzten viel. Bereits die kleinen Mädchen haben einen beachtlichen Hüftschwung drauf! Ich bin unendlich dankbar für meine Zeit und all die Erfahrungen in Ghana, aus denen ich so viel mitnehmen konnte und die mich gelehrt haben, für wie viele Dinge in meinem Leben ich dankbar sein kann, weil sie in anderen Teilen der Welt nicht selbstverständlich sind.
Als unsere Gründerin Lena ihren Aufruf für Kesho startete, hat mich dieser direkt in meine prägende und aufregende Zeit in Afrika zurückkatapultiert und ich musste mich einfach bei ihr melden. Ich bin sehr froh, nun Teil von Kesho und unserem Projekt zu sein und bin gespannt, wohin uns unsere Reise führt.